Ein (m)essbares Anliegen

Nachhaltigkeit darf kein Schlagwort bleiben. Den grössten Einfluss auf die Umweltbelastung eines Lebensmittels hat die landwirtschaftliche Produktion; nicht der Transport oder die Verpackung.

Wenn wir an Klimaschutz denken, fallen uns das Auto, die Heizung oder der Flug ein. Die Ernährung übersehen wir dabei oft, obwohl sie zu den grossen indirekten Emissionsquellen gehört. Gerade weil sie aus vielen kleinen Alltagsentscheidungen besteht, können wir hier besonders viel bewirken. Wir haben durchaus ein gutes Bauchgefühl dafür, was «gut» ist. Nur deckt sich dieses intuitive Wissen nicht immer mit den Fakten. Wir achten häufig auf das Offensichtliche: Verpackungen und weite Transportwege. Der weitaus grösste Teil der Emissionen von Lebensmitteln entsteht jedoch bereits am Anfang der Wertschöpfungskette in der landwirtschaftlichen Produktion.

Einfluss einer Schweizer Durchschnittsernährung auf die Umwelt Anteil Umweltbelastungspunkte (UBP)* pro Person und Jahr // Quelle: Daten SGE und EFZ Bericht 08 (2012)

 

Gut für Gesundheit und Budget

Was heisst das für uns? Den grössten Unterschied machen zwei Dinge: häufiger pflanzlich essen und Lebensmittel nicht verschwenden. Die gute Nachricht ist, dass davon nicht nur Klima und Umwelt, sondern auch unsere Gesundheit und das Portemonnaie profitieren. Der Wädenswiler Stadtrat bezeichnet ökologische und gesundheitliche Aspekte der Beschaffung als «ein grosses Anliegen». Jetzt gilt es, daraus verbindliche Ziele für die öffentliche Verpflegung zu machen. Der erste Schritt ist das Messen. Was man nicht misst, kann man nicht verbessern. Den CO2-Fussabdruck von Menüs kann man heute berechnen. Das schafft Transparenz, macht Fortschritte sichtbar und zeigt Verbesserungspotenziale auf.

Ernährung beeinflusst Klimaziele

Der zweite Schritt ist, dieses Wissen in Ausschreibungen zu nutzen. «Nachhaltig» darf dabei kein Schlagwort bleiben, sondern muss als klar definiertes und überprüfbares Zuschlagskriterium festgelegt werden. Genau das wird zunehmend zum Standard. Ab Ende September verbietet die EU pauschale Umweltversprechen ohne Nachweis. Was dort zur Pflicht wird, kann Wädenswil freiwillig angehen. Die Grundlage dafür liegt bereits vor: Der Kanton Zürich hat verbindliche Ziele formuliert. Wädenswil müsste das Rad nicht neu erfinden.

Foodsave-Bankett

Dass es dabei nicht ums Verzichten geht, sondern um Genuss, zeigt die Stadt Zürich mit «Klima à la Carte». Die Kampagne macht klimafreundliche Menüs sichtbar und findet seit 2026 auch in Winterthur und Aarau Anklang. Auch in Wädenswil wird nachhaltige Ernährung ganz konkret erlebbar: Am 19. September 2026 findet das erste Foodsave-Bankett statt – ein Festmahl aus geretteten Lebensmitteln. Unsere Intuition will meist das Richtige, sie braucht nur die richtigen Fakten an ihrer Seite. Dann wird aus einem guten Bauchgefühl auch eine gute Entscheidung.

Wie einfach nachhaltige Ernährung sein kann, zeigt die Stadt Zürich in ihrem Booklet «Nachhaltige Ernährung von A bis Z». Wädenswil müsste das Rad nicht neu erfinden – ein Blick über den See genügt. QR-Code scannen und selbst reinlesen.

Dieser Artikel erschien im August 2026 in der Parteizeitung «So».

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