Die Wädenswiler Volks- hausgenossenschaft will das Volkshaus wieder zu einem lebendigen und für die Bevölkerung zugänglichen Treffpunkt machen. Zielpublikum ist nicht zuletzt die jüngere Generation.
An der Generalversammlung im April 2026 blickte Willy Rüegg, der Präsident der Volkshausgenossenschaft, auf ein bewegtes Jahr zurück: eine professionelle Verwaltung wurde eingesetzt und viele kleinere Unterhaltsarbeiten durchgeführt (undichtes Dach, defekter Kühlschrank, Ungeziefer). Aber die grösste Investition betraf «unsichtbare» Elemente. Kanalisationsanschlüsse und die Erneuerung der Lüftung in der Restaurant-Küche haben rund 320 000 Franken gekostet. Die Finanzlage der Genossenschaft ist solide. Aber in absehbarer Zeit stehen Dach- und Fassadenrenovationen im Umfang von 1.3 Mio an. Überdies wird im Sommer 2028 die Wohngruppe der Stiftung Bühl ausziehen, womit die oberen Stockwerke der Liegenschaft für neue Zwecke frei werden.
Konzept bis Anfang November
Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Christoph Hirzel, Vorstandsmitglied der Volkshausgenossenschaft, hat ver schiedene Strategien geprüft und legte der Versammlung zwei Optionen vor. Kollektiv: Rückkehr zur ursprüng- lichen Bedeutung als Zentrum für Bildung und Kultur. Das Restaurant bleibt bestehen und der Wohnraum soll für gemeinschaftliches Wohnen genutzt werden. Beim Szenario «Kollektiv» bildet eine Zukunftswerkstatt oder ein vergleichbarer Mitwirkungsanlass, mit breiter Beteiligung von interessierten Personen und Gruppierungen, den Auftakt zur angestrebten Revitalisierung. Fusion: Diese Variante geht davon aus, dass die Genossenschaft die Zukunft des Volkshauses nicht allein stemmen kann. Die Liegenschaft soll an eine Baugenossenschaft übergeben werden oder die Volkshausgenossenschaft mit einer solchen fusionieren. Die ursprüngliche Bedeutung und Idee vom Volkshaus sollen nach Möglichkeit beibehalten werden. Eine Mehrheit der Versammlung entschied sich für die Variante «Kollektiv». Der Projektgruppe, unter Leitung von Ruedi Hotz, steht ein Zeitraum von sechs Monaten zur Verfügung, um ein realistisches Konzept abzuliefern. Sollte das nicht gelingen, kommt die zweite Variante die Übergabe an eine Baugenossenschaft unter Auflagen zum Zug. Adrian Schärer übernimmt für diesen Zeitraum das Präsidium der Volkshausgenossenschaft.
Ich hatte Gelegenheit, Ruedi Hotz zum Vorhaben «Kollektiv» zu befragen.
Du hast dich als Leiter dieses anspruchsvollen Projekts zur Verfügung gestellt. Was ist deine Motivation?
In Wädenswil fehlt ein Begegnungszentrum in der Art, wie dies das Volkshaus sein könnte. Ich habe viele Kollektive erlebt, welche Enormes hervorgebracht haben, wie das «Rössli» in Stäfa. Vielleicht ist das Vorhaben ein ‚Alt Achtundsechziger-Traum‘. Aber ich bin der Überzeugung, dass ein solches Projekt auch in der heutigen Zeit seine Bedeutung hat.
Was kann ich mir unter der geplanten Zukunftswerkstatt vorstellen?
Dieser öffentliche Anlass bildet den Auftakt zu einem längerfristigen Prozess der Er- neuerung. Angesprochen werden insbesondere Angehörige der jüngeren Generationen, die den Kollektiv-Gedanken konkretisieren sollen. Sie sollen sich für neue Ideen, wie die Liegenschaft genutzt und «bespielt» werden kann, engagieren. Eine externe Beratungsfirma wird zur Begleitung dieses Prozesses beigezogen. Der Anlass soll noch vor den Sommerferien stattfinden.
Welche Vorstellungen und Ideen hast du selbst für das Volkshaus?
Die Gastwirtschaft soll als Treffpunkt für verschiedene Generationen und Vereine weiter bestehen bleiben. Ein Hotelbetrieb ist aufgrund der baulichen Voraussetzungen nicht realistisch. Eher könnte ich mir eine Wohngemeinschaft vorstellen, die auch den grossen Saal mit einem Programm von Kleinkunst und Musik betreibt. Das sind aber lediglich meine persönlichen Ideen. Vielleicht entstehen im Rahmen der Zukunftswerkstatt vollkommen andere Pläne für das Volkshaus.
Wo können sich Interessierte für die Zukunftswerkstatt melden?
Interessierte für die Zukunftswerkstatt melden sich idealerweise bis Anfang Juni bei der «So» Redaktion: so@spwaedenswil.ch
Dieser Artikel erschien im Mai 2026 in der Parteizeitung «So»
